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steiz.eu - Dmitri Steiz aus Brandenburg - Journalist

Mit kühlem Kopf in die heiße Phase

INTERVIEW   Der Präsident des Brandenburger Kanu-Verbandes Henry Schiffer über die Junioren-WM und die Dynamik des Wassersports am Beetzsee

Gestern ist der Startschuss zur Ostdeutschen Meisterschaft im Kanu-Rennsport am Beetzsee gefallen. In die heiße Phase getreten seien auch die Vorbereitungen zur Junioren-Weltmeisterschaft, sagte Henry Schiffer (43). Mit dem Chef des Landes-Kanu-Verbandes sprach Dmitri Steiz.

MAZ: Herr Schiffer, der Startschuss ist gefallen, die Kanuten sind auf dem Wasser. Wie wichtig ist die Meisterschaft für die Athleten?

Henry Schiffer: Die Ostdeutsche Meisterschaft ist schon zur Leistungsbestimmung ein absoluter Höhepunkt. Für alle Sportler, die sich für die deutsche Meisterschaft qualifizieren, ist es das Ticket dorthin. Für alle, die es bis dahin nicht schaffen, ist das hier der Saisonhöhepunkt. Die Teilnehmer haben sehr viele Stunden und sehr viel Schweiß darauf verwertet, das Rennen mit einem guten Ergebnis abzuschließen.

Laufen die Vorbereitungen für die Junioren-WM auf Hochtouren?

Schiffer: Wir sind vier Wochen vor der Weltmeisterschaft. Die Arbeit nimmt außerordentlich zu. Doch wir liegen im Zeitplan. Der internationale Kanuverband vertraut uns. Denn wir haben die Europameisterschaft 2009 in hoher Qualität abgeliefert und können jetzt auf bewährte Konzepte und Rezepte zurückgreifen.

Welchen Herausforderungen sehen Sie sich in der nächsten Zeit gestellt?

Schiffer: Wir haben viele Aufgaben: Wir bringen die Teilnehmer der WM, ihre Trainer und Betreuer in Hotels und Herbergen unter. Wir sorgen für ihre Verpflegung und Versorgung. Wir sorgen auch für die Kampfrichter und die Zuschauer. Eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der uns 25 bis 30 Ehrenamtler unterstützen. Wir bereiten außerdem die Regattastrecke so auf, dass sie den internationalen Standards entspricht. Wir haben den großen Vorteil, am Beetzsee über eine der modernsten Regattastrecken der Welt zu verfügen.

Worauf achten Sie bei Ihrer Arbeit besonders?

Schiffer: Wir achten darauf, das Land und die Stadt Brandenburg international gut zu repräsentieren. Deshalb stellen wir als Organisatoren unsere Mitarbeiter und Helfer so ein, dass wir freundliche und gute Gastgeber sind. Denn allein mit Freundlichkeit können viele Kontakte geknüpft und viele Hindernisse leicht überwunden werden.

Welche Bedeutung hat die Junioren-WM für die Stadt Brandenburg?

Schiffer: Eine internationale Meisterschaft mit mehr als 50 Nationen aus der ganzen Welt rückt natürlich die Region Brandenburg in den Fokus der Aufmerksamkeit. Wir haben mehr als 500 aktive Teilnehmer. Das heißt: Mehr als 500 Familien, die sich mit der Frage beschäftigt haben: Wo liegt Brandenburg und was gibt es dort? Dieses Interesse für unsere Region ist nicht unerheblich. Für den Wassersport aber auch den Tourismus in der Stadt. Denn das sind tausende Besucher, die wir in den Brandenburger Hotels, Pensionen und Herbergen unterbringen.

Was können die Brandenburger von der Junioren-WM erwarten?

Schiffer: Die Brandenburger werden den weltbesten Junior in der Bootsklasse direkt am Wasser erleben können. Auch einige Athleten der deutschen A-Nationalmannschaft werden am Beetzsee weilen. Wir werden zudem durch Live-Übertragung im Internet und auf der großen Leinwand vor Ort den Zuschauern die Rennen so nah wie möglich bringen. Das Publikum soll die Schönheit und die Dynamik des Kanusports fühlen können. Es gibt viel Unterhaltung und eine insgesamt familiäre Stimmung.

Der Juli wird also heiß?

Schiffer: Ich hoffe, nicht nur vom Wetter her (lacht). Es werden spannende Wettkämpfe sein, ja. Die Organisatoren dürfen aber nicht heiß laufen. Denn dann passieren Fehler. Wir arbeiten mit kühlem Kopf und organisieren hochwertigen Kanurennsport für alle.



Hunderte Athleten von fünf Kontinenten

890 Sportler aus 69 Mannschaften wetteifern bei der Ostdeutschen Meisterschaft im Kanu-Rennsport heute und morgen am Beetzsee um ihre Schnelligkeit auf dem Wasser. Ihr Ziel ist es, sich für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Mit den Sportlern fiebern vor Ort ihre Familien und Betreuer – insgesamt 2000 bis 2500 Menschen.

52 nationale Verbände und 530 Athleten von fünf Kontinenten sind derzeit für die Kanu-Juniorenweltmeisterschaft vom 29. bis 31. Juli an der Regattastrecke gemeldet. Die zahlenmäßig stärksten Nationalmannschaften sind mit jeweils 28 Kanuten Ungarn und Italien. Weißrussland reist mit 25 Sportlern an. Je 24 Athleten starten für das deutsche, das kanadische und das japanische Team.

Die Havelstadt wurde zum Austragungsort für die Junioren-WM von dem internationalen Kanuverband (ICF) erst im Dezember 2010 gewählt. Die Weltmeisterschaften der 17 und 18 Jahre jungen Kanuten werden alle zwei Jahre ausgetragen und fanden zuletzt 2009 in Moskau statt.



Dmitri Steiz, Mit kühlem Kopf in die heiße Phase. Der Präsident des Brandenburger Kanu-Verbandes Henry Schiffer über die Junioren-WM und die Dynamik des Wassersports am Beetzsee, in: Märkische Allgemeine. Zeitung für das Land Brandenburg, Brandenburger Stadtkurier, 2./3. Juli 2011, S. 14.

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