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steiz.eu - Dmitri Steiz aus Brandenburg - Journalist

Stress am „Neusi“-Markt

SOZIALES   Jugendliche sorgen mit ihren Trinkgelagen am Neustädtischen Markt für Unbehagen

Mehrere Dutzend junger Brandenburger tummeln sich freitags und samstags auf dem Neustädtischen Markt. Einigen Menschen, die ringsherum leben und arbeiten, sind sie ein Dorn im Auge.

Viele Menschen, die am Neustädtischen Markt wohnen und arbeiten, klagen über das Verhalten von jungen Menschen freitags und samstags am Neustädtischen Markt. „Die Jugendlichen saufen, schreien rum, pöbeln, schmeißen ihre Bierflaschen hin“, sagt Marcus Sommer, Mitarbeiter des O2-Handyladens am Neustädtischen Markt. Das bestätigen auch die Filialleiterin des Buchhandels „Weltbild“ Sandy Dohna und der Friseur am Molkenmarkt Marco Gruschinski. Claudia Dittmann, die Inhaberin des Eiscafés „La Piazza“, macht sich ebenfalls Gedanken:„Warum müssen sie so viel trinken und dann randalieren?“

Warum sie trinken, erklären die Jugendlichen unterschiedlich: „Um Spaß zu haben“, sagt Stephanie G. (die Namen geändert) (14). „Weil man dann alle Sorgen vergisst“, meint Andy N. (18). Sein Kumpel Max B. (17) greift zur Flasche – die er übrigens mit seinen Zähnen öffnet –, „weil das Zeug schmeckt“.

Krey feiere und trinke jedes Wochenende am „Neusi“, also dem Neustädtischen Markt. „Randale wollen wir nicht machen“, sagt der junge Brandenburger. Wenn aber ein paar Flaschen durch die Gegend fliegen, dann sei das halt so.

„Die Kids rauchen, saufen, rotzen auf den Boden“, klagt Passantin Melanie Jänicke. Täglich geht die junge Brandenburgerin am Neustädtischen Markt spazieren. Immer wieder beobachtet sie, dass manche Jugendliche im Zentrum der Stadt kaputte Bierflaschen und sonstigen Müll liegen lassen. Das findet Melanie Jänicke „ekelhaft“ und „peinlich“.

Andy N. und Max B. bekamen in der Sankt-Annen-Galerie vor einiger Zeit Hausverbot, Max B. sogar eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. „Nur weil ich ein Bier gekauft habe und keine Tüte dabei hatte“, sagt er. Das Konsumieren von Alkohol im Einkaufszentrum ist untersagt, erklärt die Centermanagerin Karin Alex.

„Der Wachschutz greift mittlerweile hart durch“, betont sie – etwa durch die Vergabe von Hausverbot, den im Durchschnitt fünf Jugendliche pro Woche kassieren. Die Managerin der Sankt-Annen-Galerie will dadurch die Sicherheit im Einkaufszentrum gewährleisten. Denn im vergangenen Jahr seien Kunden belästigt worden und „diesen Punkt möchte ich nie wieder erreichen“, so Karin Alex.

Das Brandenburger Sicherheitszentrum (SZ), nur wenige Meter vom Neustädtischen Markt entfernt, hat gleichfalls Beschwerden wegen Ruhestörung und Vandalismus in der Innenstadt erhalten, teilt der SZ-Leiter Andreas Micksch mit. Konkrete Verstöße gegen das Gesetz konnten die Polizei und das Ordnungsamt jedoch nicht feststellen.

Dass junge Menschen sich im Stadtzentrum betrinken und Ärger machen, habe in den vergangenen fünf Jahren „massiv zugenommen“, berichtet Micksch. An die Menschen, die delinquentes Verhalten beobachten, appelliert er: „Alarmieren Sie uns, wir sind vor Ort und können meist innerhalb von zehn Minuten eingreifen.“

Gleichwohl dürfen nicht alle Jugendlichen, die ihre Freizeit am Neustädtischen Markt verbringen, als Verbrecher abgestempelt werden, betonen viele Brandenburger auch im jungen Alter. „Es gibt die 13- und 14-Jährigen, die sich hemmungslos besaufen. Und es gibt solche, die das nicht korrekt finden und sich an den Kopf fassen“, sagt Janine M. (17).



Dmitri Steiz, Stress am „Neusi“-Markt. Jugendliche sorgen mit ihren Trinkgelagen am Neustädtischen Markt für Unbehagen, in: Märkische Allgemeine. Zeitung für das Land Brandenburg, Brandenburger Stadtkurier, 4. Mai 2011, S. 14.

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