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steiz.eu - Dmitri Steiz aus Brandenburg - Journalist

Integration ist kein Ponyhof...

INTEGRATION ... Aber ein emotionales Karussell, dem sich nun in Stuttgart rund 100 Interessenten aussetzten: beim Forum der jungen Deutschen aus Russland. Mit Gästen aus Kultur, Wissenschaft und Politik lernten sie ein Buch, eine Ausstellung, einen Film – und die Menschen dahinter – kennen.

JSDR-Forum

Jugend und Studenten der Deutschen aus Russland und ihre Gäste beim diesjährigen Forum. Foto: JSDR.


„Zukunft mit Namen. Namen mit Zukunft.“ Dieser Slogan schmückte kürzlich die Säle der Jugendherberge Stuttgart International. Grund war das große Jahrestreffen des „Jugend- und Studentenringes der Deutschen aus Russland“ (JSDR). Gekommen waren Partner aus Russland und Kasachstan sowie Gäste aus Kultur, Wissenschaft und Politik, darunter: der Filmemacher Stanislav Güntner, die Schauspielerin und Tänzerin Monika Gossmann, der Schauspieler Mark Filatov sowie der Historiker und Journalist Dmitri Steiz.

JSDR-Forum: Gäste

M. Gossmann, S. Güntner, D. Steiz und M. Filatov (von links). Foto: JSDR.

JSDR-Bundesvorsitzende Elena Bechtold hat diese Gäste zusammen getrommelt, „damit sie andere junge Menschen mit ihrer Energie und ihrem Engagement anstecken.“ Denn: Ob der Regisseur Güntner, die Schauspielerin Gossmann oder der Journalist Steiz – sie selbst sind Migranten und wissen allzu gut, wie es sich anfühlt, an der Grenze zwischen zwei Kulturen zu leben. Diese Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion schafften es, sich in Deutschland zu integrieren. Wie? Das erzählten sie ihren rund 100 Zuhörern bei einem Diskussionscafe – einem ersten Höhepunkt des Forums.

„Meine Eltern haben uns so erzogen, dass wir immer kämpfen, wenn wir etwas erreichen wollen.“ Monika Gossmann machte deutlich, dass Integration kein Ponyhof ist. Ihre Familie ist aus Kasachstan nach Deutschland übergesiedelt, als die Schauspielerin sechs Jahre alt war. Ihr Kollege Mark Filatov kam ebenfalls als Kind in die Bundesrepublik. Trotzdem kennt auch er die harte Multi-Kulti-Kante: „Ich wurde bei einem Casting solange als Deutscher wahrgenommen, bis ich meinen Nachnamen nannte. Dann hieß es: Du hast einen Akzent.“ Filatov spricht akzentfrei.

„Vorurteile über Bord werfen“, forderte Dmitri Steiz in der Debatte zur Integration. Der junge Journalist hat die Eingliederung der russlanddeutschen Aussiedler erforscht und in seinem Buch „Vertraute Fremdheit – fremde Heimat“ beschrieben. „Es geht darum, dass Migranten und Einheimische einander kennenlernen und akzeptieren“, erklärte Steiz beim JSDR-Forum. Den Jugendlichen sprach er Mut zu: „Die Zukunft trägt eure Namen!“

Einen Blick in die Vergangenheit warfen die Besucher des Forums im „Haus der Deutschen aus Russland“. Die Landsmannschaft stellt dort die Werke von Michael Disterheft und Viktor Hurr aus. Die beiden Künstler haben in ihren Zeichnungen das furchtbarste Geschichtskapitel der Deutschen im Ausland aufgearbeitet: Stalins „großen Terror“. Damals „wurden ganze Dörfer, Städte, Kreise und Republiken entvölkert“, steht auf einer Notiztafel im Museum. In diese Zeit zwischen Horror und Hoffnung ließen sich die Anwesenden auch an diesem Sonnabend katapultieren.

Ein anderes Highlight des JSDR-Forums war der Film „Nemez“. Gemeinsam mit Regisseur Stanislav Güntner und Hauptdarsteller Mark Filatov tauchte das Publikum ein in die lebhafte Gefühlswelt eines jungen Russlanddeutschen, der nach einer kriminellen Karriere um einen Neuanfang kämpft, von seiner Vergangenheit aber nicht losgelassen wird. Freude und Frust, Leid, Liebe und Lust, Schmerz, Herz und Humor – die Zuschauer zeigten sich vom Karussell der Emotionen begeistert. „Es war so spannend, ich habe immer noch Gänsehaut“, verriet eine junge Frau bei der anschließenden Diskussion.

Am Abend ließen die Gäste den langen Samstag ausklingen, wer wollte, feierte auf der JSDR-Disco. Am nächsten Tag ging es in die „Zukunftswerkstatt“ und Auswertung des Jahrestreffs. Der Vorstand der jungen Deutschen aus Russland zeigte sich bereits im Vorfeld sehr zufrieden. „Es war besser als erwartet!“, schwärmte Elena Bechtold.



von Dmitri Steiz


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