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steiz.eu - Dmitri Steiz aus Brandenburg - Journalist

Abschied eines Leuchtklassikers

ENERGIE   Die Produktion der 60-Watt-Glühlampe ist ab morgen verboten / Aber Restbestände werden weiter verkauft

Die 60-Watt-Glühlampe verschwindet aus den Verkaufsregalen. Die Händler verstehen das EU-Verbot für die „Birne“ nicht. Die Kunden sind unsicher.

Nur noch heute wird produziert, dann knipst die Europäische Union der 60-Watt-Glühlampe das Licht aus. Ab morgen darf diese weder fabriziert noch vertrieben werden; die Restbestände ausgenommen. Damit erleidet der Leuchtklassiker dasselbe Schicksal wie die Modelle mit 100 und 75 Watt Leistung.

„Das ist Chaos, was Politik und Industrie da anrichten“, klagt Harald Glaser (58), als er auf das Verbot angesprochen wird. Dann erzählt der Leiter des Möbeldiscounters „Roller“ am Beetzsee-Center von dem Unmut seiner Kunden.

„Die Menschen sind verunsichert, weil sie nicht wissen, was der Verbot für sie bedeutet.“ Das Gesetz tritt in Kraft, die Aufklärung bleibe aber auf der Strecke, bedauert er. Wie der „Roller“-Chef Glaser, geht auch Jan Helling (49) davon aus, dass die Menschen sich heute und in den nächsten Tagen mit der „guten alten Birne eindecken“ werden. Den Leiter der beiden „Praktiker“-Filialen der Stadt Brandenburg lehre die Erfahrung. „Als die 100er und die 75er verboten wurden, haben die Menschen wie verrückt eingekauft“, erzählt Jan Helling. „Es gibt definitiv Hamsterkäufe“, sagt sein Stellvertreter im „Praktiker“, der den ersten Ansturm auf die 60-Watt- Glühlampe registriert habe.

„Man muss Vorrat haben, das kennen wir von früher“, sagt das Ehepaar Roloff. Der 77-jährige Havelstädter und seine Frau haben in ihrem Einkaufswagen gleich mehrere Schachteln der herkömmlichen 60-Watt-Lampe liegen. Ob auch sie die Unruhe bei den Menschen spüren? „Es ist ja wohl jeder verunsichert“, sagt die Frau leise.

Was tun? Zu der Energiesparlampe greifen, wie es die Werbung verspricht? „Die Sparenergielampe ist keine gute Alternative“, meint Detlef Behr (47). „Das Licht ist kalt, die Lampe enthält zu viele Giftstoffe und sie ist nicht gerade billig“, erklärt der Leiter der „Repo“-Marktfiliale in der Münsterschen Straße sein kritisches Urteil.

Die Energiesparlampe enthält tatsächlich hochgiftiges Quecksilber, weshalb sie – wenn sie aufgehört hat, Licht zu spenden – in den Sondermüll gehört.

Was wäre dann ein Ausweg? Doch nicht zur Kerze zurückkehren?! „Ich habe zu Hause Halogenlampen und LEDs“, verrät der Praktiker-Chef Jan Helling. Die Halogenlampen sparen gegenüber dem Leuchtklassiker 30 Prozent Energie, sagt „Roller“-Leiter Harald Glaser.

Die LEDs – also lichtemittierende Dioden – „sind wirklich gut, aber sehr teuer“, weiß seine Kollegin, und zeigt auf eine Zweier-Packung für 18 Euro. Für all jene, die auch in Zukunft das Licht der „guten alten Glühbirne“ nicht missen möchten, ist ein Gang in den Baumarkt empfehlenswert. Denn noch liegen die Vorräte da. Doch ihre letzte Stunde ist angebrochen.



Dmitri Steiz, Abschied eines Leuchtklassikers. Die Produktion der 60-Watt-Glühlampe ist ab morgen verboten / Aber Restbestände werden weiter verkauft, in: Märkische Allgemeine. Zeitung für das Land Brandenburg, Brandenburger Stadtkurier, 31. August 2011, S. 15.

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